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Spätes Abnabeln verbessert die Blutwerte des Kindes

In vielen Kliniken werden Neugeborene sofort nach der Geburt abgenabelt. Eine schwedische Studie konnte nun zeigen, dass späteres Abnabeln die Blutwerte verbessert und das Risiko für einen Eisenmangel in den ersten Lebensmonaten senkt.

Das routinemäßige sofortige Abnabeln nach der Geburt soll einem möglichen Blutverlust der Mutter vorbeugen. Der tatsächliche Nutzen dieses Vorgehens wurde bisher jedoch nicht systematisch geprüft. Schwedische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nun die Auswirkungen auf das Neugeborene untersucht.

Nach der Geburt enthält der Mutterkuchen noch wertvolles Blut. Wird das Neugeborene nicht sofort abgenabelt, kann das restliche Blut weiter in den Körper des Kindes strömen. Diese „mütterliche Bluttransfusion“ kann sein Blutvolumen um bis zu einem Drittel steigern.

Die schwedische Studie verglich die Blutbefunde von 400 Kindern, die zeitgerecht und ohne Komplikationen geboren wurden. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe wurde sofort abgenabelt, die andere frühestens drei Minuten nach der Geburt. Die Neugeborenen der zweiten Gruppe wurden zunächst etwas unterhalb des Mutterleibs gehalten und danach bis zum Abnabeln auf den Bauch der Mutter gelegt.

Nach vier Monaten wurden die Kinder erneut untersucht. Dabei zeigte sich, dass die später abgenabelten Kinder deutlich höhere Werte des Eisenspeicherstoffs Ferritin aufwiesen. Eisen ist nicht nur für die Bindung von Sauerstoff im Blut notwendig, sondern vermutlich auch für die Hirnentwicklung und den Energiestoffwechsel in Nerven und Nervengewebe.

Nur eins von 193 Kindern der spät abgenabelten Gruppe hatte einen Eisenmangel, aber 10 von 189 der sofort abgenabelten Kinder. Nach den Ergebnissen der Studie könnte einem von 20 Kindern durch die spätere Abnabelung ein Eisenmangel erspart bleiben. Bei unkomplizierten und zeitgerechten Geburten sollte das späte Abnabeln daher geburtshilflicher Standard sein, so das Fazit der schwedischen Forschergruppe.

Quelle

Deutsches Ärzteblatt online, Abruf 17.11.2011


Außerklinische Geburten durch Hebammen überzeugend

- das Ergebnis kann sich sehen lassen!

 

2. Dezember 2011
Spitzenverband der Krankenkassen:

Das Angebot außerklinischer Geburten

durch Hebammen ist überzeugend gut !

Das Ergebnis des Pilotprojektes kann sich sehen lassen. Der Vergleich der klinischen Perinataldaten aus Hessen mit den statistischen Daten der Geburten in Geburtshäusern, sogenannten Hebammen geleiteten Einrichtungen (HgE) brachte die Bestätigung. Die von QUAG erfassten Daten der HgE sind in einigen Bereichen sogar überzeugend besser. Verschiedene vergleichbare Parameter wurden für die Studie ausgewählt und ein neuer Parameter entwickelt: Die gemeinsame Entlassung von Mutter und Kind nach Hause. Die gemeinsame Entlassung bildet den Gesundheitszustand von Mutter und Kind gleichermaßen ab. Deutlich häufiger als bei einer Geburt im Krankenhaus können nach einer Geburt im Geburtshaus Mutter und Kind zusammen nach Hause entlassen werden (+ 0,7 Prozent), selbst wenn zuvor eine Risikoselektion bei Krankenhausgeburten durchgeführt wurde, die ausschließlich reif- und spontan geborene Einlinge berücksichtigt hat. Die Daten zeigen auch, dass eine Geburt mit intaktem Damm in HgE signifikant häufiger erreicht wird (41,2% versus 29.8%); höhergradige Dammrisse in beiden Settings allerdings gleich selten waren.

Zudem bestätigen die Prozessparameter, dass in HgE weniger Medikamente zum Einsatz kommen (6,6 Prozent gegenüber 19 Prozent in der Klinik) und die Varianz hinsichtlich der Gebärpositionen deutlich größer ist. Der allgemeine Gesundheitszustand der Kinder weicht zehn Minuten nach der Geburt nicht von den Werten ab, die bei einer Krankenhausgeburt ermittelt werden. Für diese sogenannten Apgarwerte werden Herzfrequenz, Atmung, Reflexe, Farbe und Muskelspannung der Kinder gemessen. Schwangere, die zur Entbindung in ein Geburtshaus, eine Hebammenpraxis oder ein Entbindungsheim gehen, sind im Schnitt etwas älter (31,6 Jahre zu 30,5 Jahre in der Klinik). In beiden Vergleichsgruppen gibt es gleich viele Frauen, die zum ersten, zweiten und dritten Mal ein Kind bekommen. Bessere Ergebnisse erzielen Kliniken bei Schwangeren, die ihr zweites Kind normal entbinden konnten, obwohl das erste Kind per Kaiserschnitt auf die Welt kam.

Erfolgsentscheidend für die deutsche außerklinische Geburtshilfe in Hebammen geleiteten Einrichtungen, im Vergleich zu internationalen Ergebnissen, ist offensichtlich der Einsatz qualifizierter Hebammen. Nach Ansicht der Hebammenverbände spiegelt das gute Ergebnis aus Hessen einen bundesweiten Trend wider, denn seit Jahren arbeiten die 161 Geburtshäuser in Deutschland an der Optimierung eines QM-Systems, um eine hohe Betreuungsleistung garantieren zu können. „Dieses gute Ergebnis der Pilotstudie, an der sowohl die Krankenkassen als auch die Hebammenverbände mitgewirkt haben freut mich sehr“, so Martina Klenk, die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. „Das Ergebnis verdeutlicht den hohen Sicherheitsstandart in den Geburtshäusern, zeigt aber auch, dass eine gekonnte Nichtintervention durch Hebammen sich positiv auf das gesundheitliche Wohlergehen von Müttern und Kinder auswirkt. Umso unverständlicher ist deshalb das Angebot der Krankenkassen, das sie Mittwoch dieser Woche den Hebammenverbänden für eine Geburt im Geburtshaus gemacht haben“. Bislang erhält ein Geburtshaus für eine Geburt 550 Euro, obwohl eine Abfrage in den Hebammen geleiteten Einrichtungen ergeben hat, dass ein Bedarf von über 1.300,- Euro pro Geburt besteht um qualitätssichernd und kostendeckend arbeiten zu können.

Aus Protest wegen des ungenügenden Angebots der Krankenkassen haben die Hebammenverbände am Mittwoch die Verhandlungen unterbrochen. Sie erwarten bis kommenden Montag (5. Dezember) ein deutlich besseres Angebot.

Zur Studie
Die Angaben zu den fast 71.000 klinischen Geburten stammen aus der hessischen Perinatalerhebung. Die bundesweiten Daten zu den fast 22.000 außerklinischen Geburten hat die Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe erhoben. Unterstützt wurde die Studie außerdem durch den Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes. In Deutschland entbinden derzeit ca. zwei Prozent aller Schwangeren außerhalb des Krankenhauses.