Geburtsberichte

Norian, geboren 10.06.2008

Vor der Schwangerschaft
Ich liebe Kinder und irgendwie war auch immer klar, dass Kinder zu meinem Leben dazugehören werden, wenn da nicht diese Geburt wäre! So lange ich denken kann, hat mir dieses Thema auch Angst gemacht - mein Gott was müssen das Schmerzen sein und wie kann man die bloß aushalten?
Nun ja, trotz aller Ängste kam irgendwann der Punkt in meinem Leben, an dem ich mich (bzw. mein Mann und ich) bewusst dazu entschlossen hatte, die Verhütung sein zu lassen und schwanger werden zu wollen.

Die Schwangerschaft und die Suche
Es hat dann auch funktioniert und ich hatte vermutlich eine Bilderbuchschwangerschaft. Aus vielen privaten Gründen stand dann im 6. Monat ein Umzug ins Münsterland für mich an. Mein Mann kommt ursprünglich aus der Gegend, hat teilweise Familie hier und das letzte Jahr auch wieder hier gelebt und gearbeitet. Für mich hieß das hingegen, weg von meinen Freunden und Familie, vor allem weg von meiner Frauenärztin (und das ist beim ersten Kind nicht witzig) und hinein in eine spannende, aber auch unbekannte Zukunft. Da ich demnach hier kaum jemanden kannte, hatte ich mich auch noch nicht entschieden, in welches Krankenhaus ich gehen sollte, zu welchem Frauenarzt, welche Hebamme etc. Die Cousine meines Mannes hatte selber erst vor einem halben Jahr ihr erstes Kind bekommen und ich dachte mir, man muss das Rad ja nicht ständig neu erfinden - ich mache es einfach wie sie und gehe in das gleiche Krankenhaus.
Dort gab es einen Infoabend zu dem wir hingingen. Danach war ich völlig fertig, dort gefiel es mir gar nicht! Ich hatte zwischenzeitlich natürlich immer auch mal auf der Geburtshaus-Seite im Internet geschaut, aber ICH ins Geburtshaus??? Im Leben nicht! Da bekommt man keine Schmerzmittel und wenn etwas schief geht, ist weit und breit kein Arzt!

Wie der Zufall das manchmal so will, habe ich mit meiner Schwiegermutter dann zufällig eines Nachmittags Gaby in Münster getroffen, die wiederum eine gute Freundin der Familie ist (das war mir zwar bekannt, aber wie gesagt: „Ich geh doch nicht ins Geburtshaus!“) Nach diesem kurzen Zusammentreffen hatte ich so ein komisches Bauchgefühl und habe mich die ganze Zeit gefragt, ob ich nicht vielleicht doch mal dort nachfragen sollte. Was die Atmosphäre betrifft, so war für mich das Geburtstaus ganz klar der Favorit. Es hat dann allerdings noch einige Tage gedauert bis ich mich durchringen konnte, Gaby einfach mal ganz unverbindlich anzurufen.

Meine Entscheidung
Gaby erzählte mir dann so einiges über das Haus und auch, dass gar nicht klar ist, ob ich dort überhaupt entbinden könnte. Erstens war meine Schwangerschaft ja schon so weit fortgeschritten und ich kannte noch keine Hebamme und habe entsprechend auch keine Vorsorgeuntersuchung dort machen lassen und zweitens, war der ausgerechnete Termin am 15.06. denkbar ungünstig (Urlaube etc.). Nach diesem Telefonat war ich irgendwie geknickt und habe gemerkt, dass ich wohl doch am liebsten dort entbinden würde. So langsam wurde es auch mal Zeit für eine Entscheidung, denn es waren nur noch 6-8 Wochen bis zum ausgerechneten Termin.
Schließlich habe ich die nächste Vorsorgeuntersuchung bei Gaby machen lassen und mir dabei auch die Räume mal angeschaut. Es sollte wohl doch noch alles klappen und daher haben wir den folgenden Vorsorgetermin mit Susanne vereinbart. Zum einen sollte ich sie auch mal kennen lernen und zum anderen hatte Gaby eine Woche Urlaub. Der nächste Termin war am Montag, den 09.06. Es war alles bestens und Susanne und ich vereinbarten den nächsten Termin, der wieder mit Gaby stattfinden sollte, da Susanne kurz vor ihrem wohlverdienten Urlaub stand und ich ja auch noch zwei Wochen Zeit hatte.
Abends war es dann soweit: meine Fruchtblase ist geplatzt! Also habe ich Susanne angerufen, die nicht ans Telefon ging...Egal, sie hat ja morgens noch gesagt, so lange sich nichts verfärbt, ist alles gut. Daher habe ich ihr nur auf den Anrufbeantworter gesprochen und habe weiter ferngesehen. Warum auch immer, aber ich war die Ruhe selbst.
Kurze Zeit drauf rief Susanne zurück und meinte, wenn alles so bleibt, sollen wir am nächsten Morgen zur Kontrolle kommen.
Die Nacht war völlig ok, aber schlafen konnte ich doch nicht so richtig. Die ersten Vorwehen fingen an und so ein wenig Nervosität schlich sich ein – man bekommt schließlich nicht so häufig sein erstes Kind.

Der Tag der Geburt
Am nächsten Morgen fuhren wir dann nach Wolbeck und Susanne untersuchte mich. Alles war ok, aber es sollte wohl noch was dauern, so dass wir noch mal nach Hause fuhren.
Gegen Mittag habe ich dann meinen Mann gebeten, Susanne anzurufen und zu fragen, ob wir nicht doch schon kommen können. Die Wehen wurden immer stärker und kamen immer häufiger. Ich hatte Angst, zu einem späteren Zeitpunkt die Fahrt von ca. 20/25Minuten gar nicht mehr zu überstehen.
Wir sind dann gegen 12 Uhr mittags im Geburtshaus angekommen und Susanne meinte nach einer erneuten Untersuchung, dass es gut aussieht und wir durchaus dort bleiben konnten.
Die Stunden vergingen und ich habe nach Anleitung von Susanne jede Wehe veratmet, bin rein in die Wanne und raus aus der Wanne, stand am Tisch, lag auf dem Bett und hing am Seil. Ich weiß noch, dass ich viel am Fenster stand und es draußen ein total schöner Tag war! Gegen Nachmittag habe ich mich dann gefragt, wie lange diese Phase denn bloß noch anhalten würde – ich war so müde und wollte, dass es weitergeht. Und irgendwann ging es dann auch weiter. Ich empfand die Presswehen als totale Erleichterung, da ich endlich mithelfen konnte und es wieder ein Stück weiter ging.
Dann kam ein Punkt, an dem Susanne sagte, sie wisse nicht, ob ich nicht doch ins Krankenhaus müsse, weil es nicht so richtig weitergehen wollte. Wir warteten auf Brigitte, die mich auch noch mal untersuchen sollte. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nur: „Ich gehe in kein Krankenhaus! Ich habe mich hierfür entschieden, auf sämtliche Schmerzmittel verzichtet und ich will dieses Kind auch hier zur Welt bringen!“
Das hat dann Gott sei Dank auch geklappt!!! Um 21.36 Uhr kam Norian schließlich zur Welt!
Mir ging es super, ich bin (sicherlich auch Dank Susanne und Brigitte) nicht gerissen und mein Mann und ich hatten mit dieser Geburt ein wunderschönes Erlebnis, das wir nie vergessen werden.

Fazit
Was ich jedoch im Nachhinein noch viel wichtiger finde ist, dass Norian Dank der ganzen Umstände einen so schönen Start ins Leben haben durfte: gedämpftes Licht und keine kalten, grellen Neonröhren; kein Stress und keine Hektik; liebevolle Hände, die ihn auf die Welt geholt haben, ihn dann aber erstmal ganz lange bei uns haben liegen, ankommen lassen; die Möglichkeit, Norian direkt anzulegen und alle Untersuchungen (U1) auf später zu verschieben; nicht zu vergessen, die erste Nacht Zuhause im gemeinsamen Bett!
Ich denke, ich habe damals die beste Entscheidung meines Lebens getroffen und bin überglücklich und stolz, dass ich bzw. wir alle diese Erfahrung machen durften.
Den richtigen Ort für die Geburt des ersten Kindes zu finden, wo man ja noch keine Ahnung hat, was auf einen zukommt, ist sicherlich immer mit vielen Fürs und Wider verbunden. Meiner Erfahrung nach sollte man hier voll und ganz auf sein Bauchgefühl vertrauen!
In diesem Sinne möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei allen beteiligten Hebammen bedanken und hoffen, dass ihr noch lange so weitermacht!!!

Liebes Geburtshaus-Team!

Am 22.4.2008 ist Malaika auf die Welt gekommen, um 23.54 Uhr in Eurem wunderbaren Geburtshaus. Das kam so: Nachdem wir, also meine Frau Martina und ich (Michael) eigentlich gewettet hatten, dass unser Kind entweder früher oder pünktlich auf dem errechneten Geburtstermin kommt (17.4.), verlebten wir den „Termin-Tag“ relativ aufgeregt, obwohl sich nicht das Geringste tat. An sich war ab nun endlich klar, dass das Baby sich nicht an irgendwelche Vorhersagen halten würde und wir nun besser gelassen in die nähere Zukunft blicken sollten. Deswegen sind wir nach unserem Kontrolltermin bei Beate als Erstes Eis essen gegangen. Ab nun hatten wir alle 2 Tage Kontrolltermin, also am Samstag und am Montag.
Samstag war Kinderflohmarkt am Geburtshaus, schade, dass wir schon alles Wichtige zusammen hatten. Dann eröffnete Beate uns, dass wir uns auf einen längeren Geburtsverlauf einstellen sollten. Der Gebärmutterhals, den wir uns wie einen Rollkragen vorstellen sollten, war noch zu lang und es würde viele Wehen benötigen, bis sich das Kind durchgearbeitet hat. Monatelang findet man nichts wichtiger, als dass das Kind gesund und munter drin bleibt, jetzt zeigt sich, dass der Ausgang wirklich sehr stabil geschlossen ist! Aber wir haben bei Brigitte und Beate gelernt, dass jede Geburt ihre Zeit braucht und wir hatten das Gefühl, dass es auch wirklich passt. Wir sollten am Wochenende auch noch etwas Schönes machen, also gingen wir Sonntag abend in die Oper: Tristan und Isolde, besonders der dramatisch, tragische Schluss (Isoldes Liebestod) nach ca. 4 ½ Std. scheint unserer Malaika gut gefallen zu haben.
Montag morgen beim Aufwachen gingen die Wehen los: Mit langen Abständen, so dass ich ganz normal arbeiten gegangen bin, obwohl die Konzentration für Hochgeistiges fehlte. Auch zur Mittagspause, in der ich kurz zu Hause war, waren die Abstände zwischen den Wehen noch viel zu lang (20-30 Min.). 17.30 Uhr hatten wir wieder Kontrolltermin, diesmal bei Brigitte. Immerhin war nun der Gebärmutterhals um die Hälfte geschrumpft und der Muttermund weich. Sie machte uns klar, dass Schlafen nun das Wichtigste sei, um das wir uns kümmern sollten. Die „heiße Phase“ der Geburt würde noch auf sich warten lassen. Dazu bekamen wir beide von ihr Baldrian und die ausdrückliche Erlaubnis, ausnahmsweise ein Glas Wein zu trinken. (Das war ein leckerer chilenischer Rotwein mit leichtem Schokoladenaroma im Abgang.) Nicht auszudenken, wie wenig wir ohne diese Maßnahmen geschlafen hätten!
Dennoch waren wir beide alles Andere als ausgeschlafen am Dienstag, ich ging dennoch arbeiten, denn man weiß ja nie, Wehen können ja auch wieder aufhören und die Verabredung mit meinem Arbeitgeber war, dass ich mit meinem ersten Fernbleiben 3 Wochen Urlaub bekäme. Tatsächlich war auch nicht viel an Änderungen eingetreten, als wir nachmittags wieder nach Wolbeck fuhren. Der „Rollkragen“ war nun weg und der Muttermund leicht geöffnet. Brigitte stieg jetzt auch etwas konkreter in die Geburtsvorbereitungen ein: Sie gab uns einen Einlauf zum Nachhausenehmen mit. Wir hatten ohnehin nicht damit gerechnet, da bleiben zu können und so fuhren wir nach Hause, diesmal relativ sicher, dass die Geburt in den nächsten Stunden losgehen dürfte.
Zuhause gegen 19 Uhr gab es dann meine erste Premiere, denn einen Einlauf habe ich noch nie jemandem verpasst, schon gar nicht meiner Frau. Für mich völlig überraschend ging das Ganze ohne Sauerei o.ä. ab. Tina versuchte, alles so lang wie möglich drin zu behalten, das gelang ihr ein paar Minuten lang, dann ging's auf die Toilette. Jetzt öffneten sich alle Schleusen. Tina musste sich zwei Mal übergeben und musste wieder auf die Toilette. Ab da kamen die Wehen alle 6 Minuten. Wir riefen bei Brigitte an, die noch nicht meinte, dass das reichte. Tina sollte ein Bad nehmen: Wenn die Wehen dann stärker und öfter würden, sollten wir noch mal anrufen, manchmal würden sie dann aber auch schwächer. Gesagt, getan, als Tina um ca. 20.15 Uhr ihr Bad nahm, wurden sie heftiger, schon alle drei Minuten. Als wir nun bei Brigitte anriefen, durften wir endlich kommen. Die ganze Zeit konnte ich schon ein wenig die im Geburtsvorbereitungskurs gelernten Griffe anwenden, besonders beliebt „Äpfelchen schütteln“ und Kreuzbein stützen.
Kurz nach 21 Uhr waren wir dann in Wolbeck, Brigitte war schon da und ließ gleich das Badewasser in die schöne, große Badewanne ein. Sie hatte den Raum auch schon mit Kerzen und Duftlampe vorbereitet. Bis die Wanne voll war, saßen wir noch auf dem Bett, auch hier, wie schon im Auto (allerdings einhändig) - konnte ich meine Kenntnisse anwenden. Ich schreibe das so, weil es damit in dem Moment, als Tina die Badewanne bestieg, vorbei war. Den Rest hat sie praktisch alleine hinbekommen (STOLZ). Brigitte hat Tina nun vor allem darin bestätigt, dass sie alles richtig machte, da konnte ich nur zustimmen. Ab und zu durfte ich meiner Frau ein Glas Wasser reichen und einen kühlenden Waschlappen. Gegen Ende fiel mir die Aufgabe zu, zusammen mit Brigitte je einen von Tinas Füßen abzustützen, damit sie besser pressen konnte. Ansonsten hatte ich die bei Männern oft nicht so beliebte Zuschauerrolle. Mir ist es nicht besonders schwer gefallen, da man eigentlich überall darauf hingewiesen wird und sich darauf einstellen muss.
Als Brigitte den Durchmesser des Muttermundes maß, war das für Tina immer wieder neuer Ansporn. Erst, als er 4 cm geöffnet war, war das das Zeichen dafür, dass die zwei Tage Wehen doch Wirkung hatten. Als er dann ganz geöffnet war, sprühte Tina vor Motivation. Gegen 23 Uhr sagte Brigitte, es könne heute noch was werden, fantastisch! Ich weiß nicht mehr, wann Malaika zum ersten Mal ihr Köpfchen hat blicken lassen, aber ein paar Male waren es schon, dass sie wieder zurückgezogen wurde, um beim nächsten Mal ein Stückchen weiter herauszukommen. Ja, sie hatte Haare und einen extrem weichen Kopf. Ich fand es schon überwältigend, diese erste Berührung, nachdem man monatelang durch Tinas Bauchdecke versucht hat, Kontakt aufzunehmen. Tina war nun kaum noch zu bremsen, zum Glück durfte sie nun auch pressen, die „Hechelphase“ ist allerdings ein bisschen kurz gekommen, was aber weder Kind noch Mutter geschadet hat.
Tina hat keinen Dammriss o.ä. davongetragen, was natürlich auch auf ihr intensives Training mit dem Epi-No zurückzuführen ist. In dem Moment, als Malaikas Kopf herausschaute, lief auf dem MP3-Player auch das Lied „Malaika“ von Miriam Makeba und Harry Belafonte. (Bei einer Anzahl von ca. 200 Liedern im Zufallsmodus abgespielt ist das schon ein toller Zufall, der mich auch gleich zu Tränen rührte.) Jetzt konnten wir ihren Namen auch nicht mehr verheimlichen, mussten das ja zum Glück auch nicht mehr. Als Malaika draußen war, hat sie schon kräftig gebrüllt, (etwa „wääähh“ ;-) ) und kam auf Tinas Bauch. Das war um 23.54 Uhr, Brigitte hat also recht behalten! Als die Nabelschnur auspulsiert war, durfte ich sie durchschneiden, dabei fühlte ich mich wie in Trance, das habe ich nicht sehr bewusst wahrgenommen. Dann musste Tina erstmal mit Allem, was ihr noch zwischen den Beinen baumelte, aufs Bett, denn im Wasser wurde es nun ungemütlich. Ein wenig durfte ich ja nun mit dem Baby schmusen, jetzt musste es aber an die Mutterbrust, womit ja u.a. die Nachgeburt angeregt werden sollte. Das war dann das Einzige(!), was nicht wie im Bilderbuch geklappt hat, hierfür hat Tina dann eine Spritze bekommen. Eigentlich ist es ja total interessant, sich so eine Plazenta anzusehen, aber auch die habe ich kaum beachtet. Nachdem Brigitte schon gesagt hatte, sie sei vollständig, hatte ich nur Augen für das Baby und Tina. Gegen 2.20 Uhr sind wir dann nach Hause gefahren mit unserer neuen Mitbewohnerin im Gepäck. Jetzt hätten wir eigentlich schlafen sollen, statt dessen haben wir die ganze restliche Nacht unser Baby betrachtet. Wir sind sooo glücklich, dass wir uns für das Geburtshaus entschieden haben, denn im Krankenhaus hätte uns ein anderer Geburtsverlauf erwartet. Da man im Krankenhaus keine Zeit hat, einer so langsam anlaufenden Geburt ihre Zeit zu lassen, wäre sicher „Wehenschwäche“ diagnostiziert worden, was ja an sich keine Krankheit ist. Die Folge wäre der Einsatz wehenfördernder Mittel bis hin zum Wehentropf gewesen mit erhöhter Kaiserschnittwahrscheinlichkeit, da hier dem Bedürfnis des Babys nach längeren Pausen zwischen den Wehen nicht nachgegeben worden wäre. Egal, es ist zum Glück nicht so gekommen, statt dessen war dies eine Geburt, von der Brigitte meinte, dass sie im Geburtsvorbereitungskurs lieber nicht davon erzählen möchte, damit sich niemand allzu große Hoffnungen auf eine leichte Geburt macht. Die Betreuung vor, während und nach der Geburt war einfach großartig, immer einfühlsam, immer kompetent und beruhigend. Wir sind euch sehr dankbar, dass Tina bei euch so schön, natürlich und selbstbestimmt gebären durfte, so wie Frauen dies i.d.R. ohnehin können.

Martina

Ich hatte mir während der letzten Wochen der Schwangerschaft eigentlich immer mehr gewünscht, dass es keine "Sturzgeburt" werden würde, so dass ich immer wieder Zeit zum Verschnaufen haben könnte. Außerdem wünschte ich mir, dass die Geburt meiner Tochter nicht abends losgehen würde, wenn ich total kaputt und aufgekratzt war, sondern am liebsten morgens, schön ausgeruht und entspannt. Ich hatte einfach Sorge, dass ich die Strapazen, die da auf mich zu kämen, sonst nicht gut verpacken könnte. Und so wurde ich die letzten Tage vorm Termin (17.4.) besonders abends immer sehr kribbelig bis leicht panisch, wenn ich dann todmüde - ja, so ein kleiner Spaziergang oder das Einkaufen mit dickem Bauch können schon sehr erschöpfend sein - ins Bett gefallen bin, nach dem Motto "bloß nicht jetzt".
Als dann der Termin unspektakulär verstrichen war, fingen wir beide - mein Mann Michael und ich - an, gelassener zu werden. Beate hatte uns noch bei ihrer letzten Kontrolluntersuchung eröffnet, wir sollten uns schon mal auf eine längere Geburt einstellen, da der Gebärmutterhals am Samstag, 2 Tage nach dem Termin, noch komplett 2 cm hoch stand und der Muttermund schön geschlossen war. Auch wenn ich mir keine Sturzgeburt wünschte, so wollte ich aber nun auch nicht endlos leiden. Dennoch verschaffte diese Prognose einige Gelassenheit, und so sind wir sogar noch in die Oper gegangen, als am Sonntag, 20.4. immer noch nichts passierte. Und als hätte die Kleine meine Wünsche geahnt, kam die erste Wehe dann am Montag morgen, dem 21.4. nach dem Aufwachen.
Ganz entgegen meinen jahrelang gehegten Vorstellungen wurde ich nicht panisch, sondern einfach neugierig, wie es jetzt wohl weitergehen würde. Es war tatsächlich so, wie Beate und Brigitte es immer gesagt hatten, die Wehe kam und ging auch wieder nach etwa einer Minute und tat so, als wäre sie nie da gewesen. Dann passierte eine Viertelstunde nix, bis wieder allmählich eine Wehe kam. So ging das nun weiter, immer schön alle 15 Minuten, und auch Brigitte meinte, wenn sich nichts änderte, reiche es völlig aus, erst am Nachmittag zur normalen Kontrolluntersuchung zu kommen (da ich ja jetzt 4 Tage drüber war, musste ich eh am Nachmittag wieder hin). So verging der Tag, erstaunlicherweise gar nicht viel anders als ein anderer Tag, ich konnte noch bequem spazieren gehen und wurde auch im Supermarkt nur von einer einzigen Wehe etwas "gestört". So langsam hoffte ich aber dann doch, dass diese Schmerzen auch etwas am Gebärmutterhals bewirken würden. Immerhin fing es doch langsam an, anstrengend zu werden.
Die Hoffnung wurde nicht enttäuscht: Als wir um 17.30 Uhr bei Brigitte waren, war der Gebärmutterhals auf 1 cm verkürzt und der Muttermund schön weich, "geburtsreif", wenn auch ziemlich geschlossen. Brigitte glaubte aber auch nicht, dass die Kleine noch am Montag kommen würde. Und so sollten wir v.a. für einen guten Schlaf sorgen, damit ich schön erholt wäre, wenn es am nächsten Tag wahrscheinlich was werde. Und so gab sie uns jedem Baldrian mit und die ausdrückliche, ausnahmsweise Erlaubnis, heute abend ein Glas Wein zu trinken, damit ich gut schlafen konnte. Das war eine Nachricht! Wir haben uns also einen richtig gemütlichen Abend gemacht, und ich konnte sogar 2,5 Stunden schlafen. Dann jedoch fingen die Wehen wieder an, und v.a. weil ich versucht habe, Michael weiter schlafen zu lassen (er musste ja wieder arbeiten, und für alle Fälle sollte wenigstens er ausgeschlafen sein), wurden die Wehen mit zusammengebissenen Zähnen auch extrem unangenehm zu ertragen. Ich konnte mir tatsächlich vorstellen, dass man nach einer PDA bettelt und fragte mich, ob die Entscheidung gegen Schmerzmittel wohl wirklich so schlau war. Morgens, als ich dann endlich wieder wagte, mich zu bewegen und zu tönen, war es deutlich einfacher auszuhalten. Den Vormittag verbrachte ich dämmernd, alle 15 Minuten von einer Wehe geweckt.
Als wir nachmittags zur Untersuchung ins Geburtshaus fuhren, war der Gebärmutterhals immerhin komplett verschwunden und der Muttermund 1,5 Finger weit offen. Es war also nicht umsonst, und das Baby würde wahrscheinlich bald kommen. Aber im Geburtshaus zu bleiben, würde sich in diesem Moment einfach noch nicht lohnen. Wir sollten zuerst noch nach Hause fahren und ich sollte einen Einlauf machen. Dieser hat dann auch die Wehen stark befördert - in Häufigkeit und Stärke. Sie kamen mit einer solchen Gewalt, dass ich mich - wohl auch geschwächt durch den Schlafmangel - vor Schüttelfrost bibbernd ins Bett legte und mich auch heftig übergeben musste. Die Wehen kamen jetzt immerhin alle 6 Minuten, und ich wünschte mir sehnlichst, dass sie jetzt doch noch häufiger kämen, damit es endlich "los ging" und wir endlich losfahren konnten. Brigitte schlug vor, ich sollte in die warme Wanne und in einer halben Stunde wieder anrufen. Aus der Wanne kam ich dann auch kaum noch heraus, die Wehen waren nun sehr stark und kamen alle drei Minuten. Mir war klar, jetzt kommt das Baby wirklich, und wir konnten uns nun auf den Weg machen. Im Auto wurden die Abstände noch kürzer (alle 2 Minuten), und Michael konnte immerhin mit einer Hand meine Oberschenkel lockern, was enorm half.
Abends um 10 nach 9 im Geburtshaus angekommen, war Brigitte auch gerade eingetroffen und ließ schon die Wanne ein. Auch hatte sie schon Kerzen und eine Duftlampe angezündet. Endlich konnte ich mich entspannen, weil ich mich gut aufgehoben fühlte, das Zittern ließ ebenfalls langsam nach. Etwa um halb 10 konnte ich dann endlich in die Wanne, und das tat so unendlich gut. Zwischen den Wehen konnte ich mich bis zum Schluss immer wieder wunderbar erholen und genießen. Der Muttermund war nun 4 cm geöffnet! Damit hatte ich noch gar nicht gerechnet, nachdem doch nun zwei Tage lang so wenig passiert war. Ab da verlor ich auch spätestens jedes Zeitgefühl. Ich weiß noch, ich war erstaunt, als ich irgendwann hörte, ich sei schon seit 1,5 Stunden im Wasser. Alles, was ich zwischendurch brauchte, war ein kühlender Waschlappen, einen Schluck zu trinken, das Gefühl, nicht allein zu sein und die Bestätigung, dass ich alles richtig machte. Der Rest ging tatsächlich wie von selbst.
Irgendwann bekam ich immer stärker das Gefühl, ich müsste doch endlich mit pressen dürfen, damit es mich nicht zerriss. Jedoch sagte Brigitte, das solle ich noch nicht tun. Es war kaum auszuhalten. Ich hatte tatsächlich Angst zu "platzen". Diese Macht war so stark, dass mein Brüllen nun auch wohl nicht mehr nach "Veratmen" klingen konnte. Eine wirklich ungeahnte Gewalt überrollte mich, und da mein Körper einfach nicht wusste, wohin mit der Kraft, fing ich im warmen Wasser wiederum enorm zu zittern an, und ich musste mich erneut übergeben. Dem Baby ging es dabei aber zum Glück weiterhin gut, wie Brigitte feststellte. Und endlich untersuchte sie nun auch meinen Muttermund! Klar hatte ich Angst, sie würde jetzt sagen, er ist gerade mal 5 cm geöffnet, und ich dürfte noch lange nicht pressen. Aber er war nun komplett geöffnet, und Brigitte sagte sogar, es sei schön viel Platz im Becken für mein Kind! Vielleicht würde es sogar heute noch kommen (es war mittlerweile glaub ich 10 nach 11). Lange würde es jedenfalls nicht mehr dauern, sonst hätte sie auch nicht gerade Gabi angerufen, sie solle jetzt kommen. Das hat mich sehr motiviert. Ich konnte endlich richtig mitschieben. Das machte diese starken Wehen plötzlich viel erträglicher, und ich merkte tatsächlich, wie ich selbst den Kopf meines Kindes durch mein Becken schob! Das war ein unbeschreibliches Gefühl.
Nach wie vor saßen Brigitte und Michael am Wannenrand und sahen mir mehr oder weniger bei der Arbeit zu und warteten gespannt, wann sie das Köpfchen zu sehen kriegen würden. Und genau diesen Moment hätte sich unsere Malaika wirklich nicht besser aussuchen können: Genau als unsere mp3-CD mit über 200 Stücken das Lied "Malaika" von Harry Belafonte und Miriam Makeba spielte (wir hatten es unserer Kleinen schon in der Schwangerschaft jeden Abend vorgesungen), streckte sie ihr Köpfchen vorsichtig vor! Es kam ganz langsam, immer ein Stück vor und ein kleines Stück wieder zurück - damit der Damm sich auch langsam mit weiten konnte (sehr schlau, diese Natur!).
Auf das allgemeine Entzücken hin wagte ich dann schließlich auch zu fragen, ob ich denn wohl mal den Kopf streicheln dürfe. Ich weiß nicht genau wieso, aber ich hatte da wirklich eine gewisse Scheu, es war für mich so ein "heiliger" Moment. Das Köpfchen fühlte sich ganz anders an als erwartet: Ich fühlte zu meiner großen überraschung gar nichts Knochiges, sondern es war im Wasser ganz weich, und so schön weiche Haare waren zu tasten. Jetzt war ich noch motivierter, der Kleinen komplett hinaus zu verhelfen und ich schob und schob, egal, ob gerade eine Wehe da war oder nicht. Das konnte ich in diesem Moment auch nicht mal mehr sagen, die Schmerzen waren irgendwie egal geworden. Ich wusste, ich konnte es ganz aus eigener Kraft schaffen und das hat mich enorm beflügelt. Deshalb hab ich mich wohl auch nicht mehr an Brigittes Anweisung gehalten, jetzt sei der Moment zum Hecheln gekommen, um den Damm etwas zu schützen. Es war mir egal, auch wenn ich reißen sollte. Und nach ein paar Schüben war Malaika um 23.54 Uhr da und wurde aus dem Wasser gehoben und mir sofort auf den Bauch gelegt. Tatsächlich waren sofort alle Schmerzen vorbei und ich konnte mich gar nicht satt sehen an diesem kleinen Wesen, das schon so laut schreien konnte, wie ich es gar nicht erwartet hatte.
Das Geburtshaus hat mir die Chance gegeben, eine wirklich selbstbestimmte Geburt zu erleben, ohne Schmerzmittel und medizinische Eingriffe. Ich bin für dieses wunderbare Geburtserlebnis sehr dankbar, besonders weil ich früher eigentlich immer Angst vor einer Geburt hatte. Sehr geholfen hat mir die Ruhe und Sicherheit der Hebammen, die mir gleich zu Anfang ihrer Betreuung bewusst gemacht hatten, dass jede Geburt ihren eigenen Rhythmus hat, den man nicht stören sollte, und ihre eigene Zeit braucht - ob kurz oder auch sehr lang - auch wenn wir es nicht verstehen. Es gibt sicher gute Gründe dafür, z.B. dass das Kind oder die Mutter einfach diese Zeit brauchen. Für mich waren die langen Wehenpausen auf jeden Fall gut, so konnte ich mich bis zum Schluss immer wieder vollständig entspannen und erholen. Deshalb möchte ich allen Mut machen, die Geburt so zu nehmen, wie sie kommt. Eine ungewöhnlich lange Geburt, wie bei mir (wenn man so rechnen will von 42 Stunden), muss nicht unbedingt schlimm oder gar pathologisch sein (was man mir womöglich im Krankenhaus so zumindest indirekt vermittelt hätte). Sie war sogar genauso, wie ich sie mir nie vorgestellt aber eigentlich immer gewünscht hatte. Dafür möchte ich Beate und Brigitte ganz besonders danken!

Mirijam
6.11.2006 Konrad

Hallo liebe Leute im Geburtshaus, am 6.11.2006 ist Konrad im Geburtshaus auf die Welt gekommen. Jetzt erst bin ich dazugekommen für das Gästebuch der Website etwas zu schreiben... es ist nicht direkt ein Geburtsbericht, aber vielleicht für die eine oder andere Interessentin interessant zu wissen, wie ich meine Geburt erlebt habe...
Die Geburt meines ersten Sohnes im Geburtshaus Wolbeck Jeder Frau, die bewusst und selbstbestimmt gebären will Jeder Frau, die ihrem eigenen Körper vertraut Jeder Frau, die persönlich und optimal betreut werden will kann ich das Geburtshaus nur empfehlen. Für mich war es ein Ort meinen Sohn so auf die Welt zu bringen, wie ich es wollte. Ich konnte mich bewegen wie ich es für richtig hielt, konnte tönen, wie es aus mir herauskam, ich durfte SEIN... Meine Hebammen Susanne und Gabi begleiten mich intensiv durch die Schwangerschaft und schufen bei der Geburt einen Raum, der es mir ermöglichte loszulassen. Als ich am 6. November 2006 morgens im Geburtshaus mit Wehen eintraf, war es ein Ankommen. Der Raum war warm und schön, Susanne begrüßte mich und ich war geborgen. Sich wohl fühlen, Vertrauen haben in sich und sein Umfeld, für mich Grundbedingungen um ein postives Geburtserlebnis haben zu können. Mir war das wichtig und mit der Unterstützung "meiner" Hebammen im Geburtshaus konnte Konrad fließend auf die Welt kommen. Dafür bin ich dankbar. Das es diesen Ort gibt, wo es möglich ist selbstbestimmt und sanft, sowie individuell betreut sein Kind zur Welt zu bringen.

Janna
01.11.2006 Janna

17.45 Uhr Wir sind zu Besuch bei Ines und wollen eigentlich gerade los zum Geburtsvorbereitungskurs, als ich merke, daß ich entweder inkontinent geworden bin -glaube ich aber nicht- oder aber die Fruchtblase geplatzt ist und sich unsere Kleine jetzt auf den Weg machen wird. 18.30 Uhr Wir haben Beate angerufen und der pH-Test bestätigt es - in den nächsten 24h wird es losgehen, entweder von alleine oder aber die Geburt wird eingeleitet, denn von Wehen bislang keine Spur. 19.00 Uhr Die ersten Wehen setzen ein, oder sind es doch noch xbungskontraktionen wie in der ganzen Woche vorher ? Beate fährt erst mal noch nach Hause. Jens und ich packen noch schnell die Tasche für das Geburtshaus - es sollen ja eigentlich noch zwei Wochen Zeit sein bis zum errechneten Termin am 14.11. ! 19.20 Uhr Mittlerweile habe ich Wehen im Minutentakt und muß langsam währenddessen anfangen mich auf meine Atmung zu konzentrieren. Jens ruft Beate an, daß wir ins Geburtshaus fahren möchten. 19.45 Uhr Ankunft im Geburtshaus. Die Wehen werden schnell immer stärker und langsam auch etwas schmerzhaft. Beate schreibt ein CTG. 20.15 Uhr Ich steige in die warme Badewanne, vielleicht beruhigen sich die Wehen dann noch etwas. Ab hier habe ich sämtliches Zeitgefühl verloren. Das mit dem Beruhigen hat irgendwie nicht funktioniert, die Wehen werden weiterhin immer stärker und der Muttermund ist schon fast ganz geöffnet. Die Schmerzen werden immer schlimmer, unsere Kleine macht sich auf den Weg durch das Becken - und ich schreie nach Leibeskräften, um die Schmerzen zu übertönen und die Kraft zu finden, aktiv beim Vorankommen unserer Kleinen mitzuarbeiten. Zwischendurch habe ich Zweifel, ob ich noch lange durchhalten werde. Ich sage, daß ich nicht mehr mag und frage Beate, wie lange es wohl noch dauern wird. Die Antwort: vielleicht eine Stunde, vielleicht eine halbe - ich rechne das in Wehen um - noch 30 mal - das kommt mir in dem Moment sehr lange vor ! Während der ganzen Zeit ist Jens immer an meiner Seite. Er berührt mich immer wieder und es tut unheimlich gut, mir seiner Anwesenheit bewusst zu sein. Es gibt mir Kraft, diesen geliebten Menschen bei mir zu haben, auf den ich mich voll und ganz verlassen kann, so daß ich mich fallen lassen kann. Und Beate, die sich lieb im Hintergrund gehalten hat, aber trotzdem immer da war, hat mir die Sicherheit gegeben, die Geburt aus eigener Kraft zu schaffen. Beate ruft Susanne an, daß sie dazu kommen soll. Es ist das erste mal das Köpfchen in der Scheide zu sehen. Wir lassen warmes Wasser in die Wanne nachlaufen und - oh Wunder - die Wehen verlieren an Heftigkeit und ich habe etwas Zeit, um wieder neue Kräfte zu sammeln. Ich merke, daß es mit der Geburt irgendwie nicht mehr voran geht und verlasse die Badewanne. Sobald ich wieder stehe, von Jens und Beate gestützt, setzen die Wehen erneut mit voller Kraft ein. Aber sie sind jetzt besser zu ertragen, weil ich mit jeder Wehe merke, daß sie mich der Geburt meiner Tochter ein Stück näher bringt. Ich habe eine gute Position für die Wehen gefunden, stehend und mit dem Oberkörper auf die Kommode gestützt, während Jens und Susanne meinen Füßen Halt geben. Es ist jetzt bei jeder Wehe das Köpfchen zu sehen und ich presse so stark ich kann, um unsere Tochter endlich zur Welt zu bringen. Und auf einmal geht alles ganz schnell - eine Wehe und das Köpfchen ist da und dann eine letzte Wehe, die die Schultern durchschiebt und unsere Tochter Janna ist geboren - um 23.06 Uhr am 01.11.2006. Ein unbeschreibliches Gefühl unsere Janna das erste mal im Arm zu halten. Mit einem Schlag sind die Schmerzen vorbei und auch gleichzeitig vergessen. Was bleibt ist einfach nur ein ganz großes Glücksgefühl und eine übergroße Liebe für dieses kleine Wunder in meinem Arm.

Margarete und Linus Philipp
27 Dezember, 2003

13 Monate hatte ich mit meinem Bürgerfunk-Kollegen Klaus an unserem Hörspiel gearbeitet. Am Abend des 27. November 2003 verließen wir beide zufrieden das Studio des Medienforums Münster, die CDs mit dem vollendeten Hörspiel in der Tasche, und ich schickte einen erlösten Gedanken an das 38 Wochen alte Baby in meinem Bauch: "So, mein Schätzchen, jetzt kannst du kommen, jetzt is alles bereit." Am nächsten Morgen um 5 Uhr merkte ich, daß meine Fruchtblase gesprungen war und das Fruchtwasser tropfenweise abging. Ich weckte meinen Mann Stefan und der war in Null komma Nichts auf den Beinen und angezogen. Dann rief ich Gabi, meine meine Bereitschafts-Hebamme an, aber als sie hörte, daß das Fruchtwasser klar sei, schickte sie mich erst mal wieder ins Bett. Erst morgens um 9 sollte ich ins Geburtshaus kommen, um noch mal ein CTG zu schreiben. Als wir um 9 Uhr ins Geburtshaus kamen, lief mein Fruchwasser immer noch, aber von Wehen keine Spur. Ich machte mir Sorgen und sah mich schon weheneinleitende Medikamente nehmen, aber Gabi hatte noch eine Trumpf im xrmel: den Rizinus-Cocktail. Sie gab mir das fertig gemixte Getränk mit nach Hause und ich sollte es nach dem Frühstück trinken. Der Cocktail sah zwar schlimm aus, schmeckte aber gar nicht so schlecht wie ich befürchtet hatte. Nach zweieinhalb Stunden fühlte ich das erste leichte Ziehen und freute mich, daß es endlich losgeht. Ich arbeitete noch eine Weile am Computer, bis die Wehen stärker wurden. Ich rief Gabi wieder an und sie meinte, ich solle mich in die Badewanne legen. Das machte ich auch und die Wehen wurden stärker. Nach einer Stunde waren die Wehen so stark, daß ich mit der Atemtechnik, die ich im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatte, nicht mehr weiterkam und mich übergeben mußte. Stefan rief Gabi noch mal und sagte, wir würden uns jetzt auf den Weg machen. Als ich aus dem Wasser stieg, ließ die Häufigkeit der Wehen etwas nach und so konnte ich die halbstündige Autofahrt nach Münster gut überstehen. Im Geburtshaus angekommen allerdings konnte ich kaum mehr gehen und die 10 Minuten am Wehenschreiber nur mit Mühe abwarten. Gabi untersuchte mich und meinte, der Muttermund sei noch zu hart und nur 2 cm geöffnet und zeigte mir eine andere Atemtechnik, damit er weicher würde. Dann konnte ich wieder in die Badewanne. Sobald ich ins Wasser stieg, wurde es besser und die Schmerzen waren durch die Entspannung leichter zu ertragen. Die Schmerzen wurden aber immer heftiger und die Wehen kamen immer öfter, mit immer kürzeren Pausen, bis ich sogar zwei oder mehrere Schmerzhöhepunkte nacheinander fühlte. Mit der Atemtechnik klappte es aber sehr gut. Bei jeder Wehe sagte ich mir im Geist vor: "Gleich ist es vorbei. Gleich ist es vorbei. Jetzt ist es vorbei!" Ich nahm nichts mehr von der Umgebung wahr, zog mich ganz in mich selbst zurück und stand wie unter Drogen. In den paar Minuten zwischen den Wehen schlief ich ein und träumte allerhand seltsame Dinge, bis die nächste Wehe mich wieder in die Wirklichkeit zurückholte. Stefan wollte mir einige tröstende Worte sagen, aber ich wollte nichts hören, nicht angesprochen werden. Gabi kam alle paar Wehen und überprüfte die Herztöne meines Babys. Ich nahm zwar alles wie durch einen dicken Schleier wahr, war aber immer beruhigt, wenn die Herztöne gut waren. Mein Muttermund wurde weich und öffnete sich langsam aber kontinuierlich. Nach etwa 3 oder 4 Stunden im Wasser war er ungefähr 8 cm weit offen, es ging aber nicht weiter. Deshalb mußte ich wieder heraus aus der Badewanne. Ich wehrte mich erst, weil ich glaubte, die 3 Meter bis zum Bett nie im Leben schaffen zu können, aber von Stefan und Gabi gestützt schaffte ich es doch. Der Muttermund hatte sich nach einigen weiteren Wehen noch immer nicht weiter geöffnet. Gabi schlug vor, daß ich bei den nächsten Wehen schieben solle, während sie die xffnung des Muttermundes unterstützte. Sie war erst nicht sicher, ob ich die unterstützenden Handgriffe überhaupt haben könne, aber ich empfand es als Erleichterung, jetzt schieben zu können und fühlte nichts anderes. Nach einigen Wehen war der Muttermund geöffnet und ich durfte weiter schieben. Irgendwann in dieser Zeit rief Gabi die zweite Bereitschafts-Hebamme an und Beate kam kurz darauf auch dazu. Sie ermunterten mich und sagten, ich hätte es jetzt bald hinter mir, dies sei jetzt der Endspurt. Ich durfte mich auf den Gebärhocker setzen und Stefan unterstützte meinen Rücken. Ich befolgte alle Anweisungen und legte meine ganze Kraft ins Schieben. Gabi lobte mich immer wieder und machte mir Mut. Ich konnte zwar nur die Schmerzen fühlen und merkte nicht, ob sich bei dem Baby was tat, aber nach einigen Wehen ließ Gabi mich das Köpfchen meines Babys mit der Hand fühlen. Das gab mir einen ungeheuren Motivationsschub und ich fand plötzlich noch mehr Kraft, um dem Baby auf seinem Weg nach draußen zu helfen. Die Schmerzen waren furchtbar und zum ersten Mal konnte ich wirklich schreien. Das Schreien setzte noch mehr Kräfte frei und als ich kurz die Augen öffnete, sah ich das Köpfchen meines Babys, das schon zur Hälfte geboren war! Nach einigen weiteren Wehen war er da, unser süßer kleiner Linus. Hustend und prustend sah ich ihn zum ersten Mal und wurde mir bewußt, daß die Schmerzen von einem Moment auf den anderen aufgehört hatten und ICH ES GESCHAFFT HATTE! Ich brach in Tränen aus vor Erleichterung, Freude und Glück. Ich konnte mich wieder aufs Bett legen und bekam mein Baby, in ein warmes Handtuch gewickelt, in die Arme. Mit einer leichten Wehe kam noch die Plazenta, dann war es vorbei. Stefan durfte nach einigen Minuten die Nabelschnur durchschneiden und nachdem Gabi und Beate sie sorgfältig untersucht hatten, ließen sie uns mit unserem Sohn allein. Linus war überhaupt nicht schrumpelig, seine Haut war glatt und rosig und er hatte die Augen weit geöffnet und sah uns an. Ich konnte mich gar nicht mehr von seinem Gesichtchen losreißen. Er war so wach und aufmerksam und konne gar nicht genug von den neuen Eindrücken bekommen. Gabi kam nach einiger Zeit wieder herein und zeigte mir, wie ich Linus das erste Mal stillen konnte. Er trank nur kurz, denn er war viel zu neugierig. Während Gabi ihn untersuchte und anzog, schlief er ein. Stefan holte die Babyschale aus dem Auto und legte ihn hinein. Ich bekam die "Sexy Unterhose" mit dicken Binden wegen des Wochenflusses angezogen und konnte mich wieder anziehen. Um 1 Uhr war Linus geboren worden, gegen 5 Uhr morgens, 24 Stunden nach meinem Blasensprung, waren wir wieder zu Hause. Unser Schätzchen ist jetzt 4 Wochen alt und schläft in seinem Nestchen in unserem Büro während ich diesen Bericht schreibe. Mein Damm ist dank Beates Unterstützung nicht gerissen und ich habe die Geburt allein, ohne Schmerzmittel oder andere Medikamente, ohne Komplikationen, Zangen, Saugglocken oder andere Hilfsmittel geschafft. Das war es, was ich wollte, als ich mich für das Geburtshaus und gegen eine Krankenhausgeburt entschied. Die Schmerzen sind furchtbar, aber sie sind ertragbar und ich glaube, daß jede Frau eine normale Geburt allein schaffen kann. Ich bin froh, daß ich es geschafft habe. Die Geburt im Geburtshaus hat mir sehr viel Selbstvertrauen und Stolz gegeben und ich danke den Hebammen, die mich betreut haben, dafür, daß ich die Geburt meines ersten Kindes auf diese schöne und natürliche Weise erleben durfte. Margarete Schebesch, am 27.12.2003

Dorothea
15 Mai, 2003

Bevor ich von der Geburt erzähle, will ich ein paar "Ereignisse und Begebenheiten aus dem Vorfeld" berichten: Seitens der Mutter: - ...war immer klar, dass eine Klinikgeburt nur im Notfall in Frage kommt. Es ist ja viel zu gefährlich da!!! Da gibt es Heerscharen von Medizinern und anderen Aktivisten, die oft unerfahren und nervös, meist lernbegierig, teilweise wenig mit Skrupel behaftet und fast immer in Angst vor haftungsrechtlichen Konsequenzen sind x und diese haben alle möglichen schnell und stark wirksamen Medikamente und/oder Geräte, ja sogar ganze OP-Teams zur Hand. Was da alles passieren kann! Eine kleine falsche Situationseinschätzung oder Unsicherheit x meist verbunden mit ein klein bisschen ignorieren der Wünsche der werdenden Eltern x und schon findet ein überflüssiger Kaiserschnitt oder eine sinnlose oder gar schädigende Medikation statt. Und alles wird hinterher wortreich und mit medizinischem Vokabular den Eltern als notwendig erklärt... x Nee. Viel zu gefährlich in der Klinik. - ...gab es eine Vorgeschichte mit längerem nicht-schwanger werden und unglücklichen Schwangerschaften (Fehlgeburten). So war ich denn 41 Jahre alt, bis sich abzeichnete, dass dieses mal das Kind wohl auf die Welt kommen will. Ich hatte kapiert, dass sich in Sachen Kinder kriegen nichts erzwingen lässt und vieles anders kommt als frau sich denkt... Seitens des Kindes: - ...gab es die Weigerung im Bauch einen Purzelbaum zu schlagen und in die Schädellage zu gehen. Das heißt Beckenendlage! Da standen wir nun. Beate, meine betreuende Hebamme, Michael und ich. Wir hatten uns sehr auf eine gemeinsame Geburt im Geburtshaus gefreut. So versuchten wir erst mal alle Register zu ziehen und das Kind zu Drehung zu motivieren. Brigitte und Beate vermittelten mir Hebammen, die Haptonomie, Akupunktur und Moxen durchführten und wiesen mich in die "Indische Brücke" ein. Vergeblich. Auf Rat der Hebammen hin nahm ich Kontakt mit Dr. Glosemeyer im Hiltruper Krankenhaus auf, der eine äußere Wendung versuchte x auch vergeblich. Meine Gynäkologin riet dringend zum Kaiserschnitt und erzählte von vielfältigen Gefährdungen für Mutter und Kind bei einer normalen Geburt (Erstgebärend und Beckenendlage und dann noch mein hohes Alter!). Von allen möglichen Seiten hörten wir, dass dies auch Standard sei heutzutage. Das Hauptproblem sei die Gefahr des Sauerstoffmangels x und wer will schon eine geburtsbedingte Behinderung des Kindes riskieren? Beate hingegen bestärkte uns in unserem Wunsch, über eine normale Geburt (in der Klinik) zumindest nachzudenken x wenn schon die "Geburtshausgeburt" jetzt ausschied. Sie konnte von Hiltrup und Dr. Glosemeyer berichten (der viel Erfahrung mit Beckenendlagen hat). Dr. Glosemeyer hat mich dann auch untersucht, das Kind ausgemessen und den Ablauf geschildert (so sei z.B. eine Periduralanästhesie zwingend, etc.). Weiterhin hat mir Beate kurzfristig Anne Weischer als Beleghebamme vermittelt. Mit Beate und Anne habe ich dann auch alle Varianten der Geburtsvorbereitung durchgesprochen und intensiv durchgeführt. Akupunktur, Dammmassage, Himbeerblättertee, Yoga-übungen, etc. Ich selbst ging in die Uni-bibliothek und las alles, was ich über Beckenendlagen fand. Die aktuelle Fachliteratur und die Hebammen überzeugten uns, dass es keineswegs übertrieben risikoreich oder gar verantwortungslos ist, eine normale Geburt anzugehen. Und Beate und Anne bestätigten uns auch, dass es nicht unbedingt vermessen ist, wenn wir uns auch angesichts "Beckenendlage" auf die Geburt freuten... Soweit die Vorgeschichte. Eineinhalb Wochen vor Termin, am Freitag Abend, ging ich wegen Bluthochdruck und xdemen ins Hiltruper Krankenhaus, wo man mich zur Beobachtung aufnahm x es zeichnete sich eine beginnende Gestose ab. In der folgenden Nacht begannen abends um halb elf Schmerzen im Bauch und Kreuzbereich, und Durchfall hatte ich. Die Nachtschwester lächelte wissend, ich selbst wollte noch gar nicht glauben, dass es jetzt los ging. Alle Versuche zu schlafen schlugen fehl. Nach Mitternacht ließ ich ein CTG schreiben x die Wehen waren noch nicht sehr stark. Gegen 2.00 Uhr nachts rief ich Anne an, eine halbe Stunde später Michael. Beiden sagte ich, sie bräuchten sich nicht zu beeilen. Anne kam um 2:30 Uhr, holte mich in den Kreissaal, untersuchte mich und meinte, es würde doch ganz zügig gehen. Die Wehen kamen nun in kurzen Abständen, ließen sich aber gut veratmen. Michael kam und wurde von Anne eingewiesen, wie er meine Kreuzgegend während der Wehen massieren kann, das war hilfreich. Die Wehenpausen waren wirkliche Pausen, in denen wir plaudern und Fragen stellen konnten. Ich rechnete noch immer damit, noch lange Stunden im Kreissaal zu sein. Doch dann platzte die Blase und kurz darauf holte Anne Dr. Glosemeyer um die PDA zu legen. Es war ca. 4:00 Uhr. Ab jetzt musste ich liegen, den schönen Pezziball gegen das Kreisbett tauschen. Dafür waren die Wehen aufgrund der PDA deutlich erträglicher. xberhaupt: während der gesamten Geburt waren sie nie unerträglich gewesen. Und: sie tun wohl weh, aber sie gehen auch schnell vorbei. Jetzt wurde Michael ins Atmen eingewiesen x ein paar gemeinsame laaaange tönende Ausatemstöße x wieder eine Wehe geschafft. Es ging gut, dazwischen berichtete Anne vom weiter werdenden Muttermund, den guten CTG-Werten und dass alles bestens klappt. Sie strahlte Ruhe aus, wir hatten jederzeit den sicheren Eindruck, dass alles gut ist, und sie alles im Griff hat, und keinerlei Probleme sich abzeichnen. Sie rief erneut den Arzt kurz bevor ich das Kind im Becken spürte. Jetzt musste ich sogar ein paar Wehen lang hecheln und dem plötzlichen intensiven Pressdrang versuchen auf keinen Fall nachzugeben (nahezu unmöglich, mit aller Kraft schob sich das Kind nach unten!) x damit es nicht zu schnell geht und fürs Kind zu anstrengend wird. Als der Arzt da war, waren es nur noch 4 Presswehen. Jetzt durfte und musste ich mit aller Kraft mitpressen. In der Wehenpause riefen die beiden Geburtshelfer "wir sehen schon, was es ist" (wir hatten das Geschlecht unseres Kindes nicht gewusst). Auf meine Frage, was es denn nun ist, waren sie sich einig: "Nee, jetzt könnt ihr die paar Minuten auch noch warten. 9 Monate lang wolltet ihr es nicht wissen. Gleich könnt ihr selbst gucken!" x da mussten wir wirklich schmunzeln x bis zur nächsten Wehe und obwohl ich nun den Eindruck hatte unten am Damm zu zerreißen. Noch eine Wehe, Aufforderung und Anleitung zum Pressen und dann schiebt sich ganz schnell und plötzlich etwas großes, undefinierbares durch die Scheide x und dann ein kurzer xberraschungsruf der Hebamme (weil die Plazenta gleich mitgekommen war, wie wir später erfuhren) x und dann krieg ich so ein kleines, rosig-rotes, nacktes, verschmiertes, ganz "zerknautschtes" Menschlein auf den Bauch gelegt! Das Kind quäkt kurz, ist dann still und öffnet dann die Augen und scheint sich in aller Ruhe die Welt zu betrachten. Michael und ich sind viel zu ergriffen, als dass wir jetzt gucken wollten, was es ist x es ist plötzlich auch ganz egal. Dann wird uns das Kind kurz weggenommen und unter der Wärmelampe untersucht, nach 5 Minuten kriegen wir es wieder auf den Bauch, jetzt in ein Handtuch eingepackt. Es ist 6:00 Uhr, die Geburt hat x seit dem ersten leisen Ziehen im Bauch, 7 _ Stunden gedauert. Es kam uns alles sehr schnell vor. Immer noch staunen wir, wollen an dem Kind nicht rumzerren, liebkosen es vorsichtig, flüstern ihm zu. Dann werden wir angesprochen, weil ein kleiner Riss an den Schamlippen genäht werden soll (wohingegen der Damm sogar heile geblieben ist!!!). Ich will die Plazenta sehen, bevor sie entsorgt wird. Der Arzt sagt, das Kind sei gesund, es sei ihm während der ganzen Geburt sehr gut gegangen, und wir sollen über den blauen Hintern des Kindes und die geschwollenen Schamlippen nicht erschrecken, das sei so bei Beckenendlagenkindern, das würde in wenigen Tagen weggehen. Damit wissen wir es jetzt auch: es ist ein Mädchen! Das war unser Geburtserlebnis. Wir sind sehr froh, dass wir eine normale Geburt erleben durften x trotz der Risikofaktoren. Wir sind allen Hebammen, insbesondere Anne und Beate, sehr dankbar, dass sie uns dazu Mut gemacht haben. Die Vorsorgen im Geburtshaus haben Selbstvertrauen gegeben. Dr. Glosemeyer und Anne vermittelten die erforderliche Sicherheit und Kompetenz. Dass diese Geburt so möglich war und so gut verlief, ist neben den beiden Geburtshelfern sicher auch den unterschiedlichen Hilfen zur Geburtsvorbereitung zu verdanken. Die Rahmenbedingungen der Geburt entsprachen nicht meinen ursprünglichen Vorstellungen von der selbstbestimmten Geburt in schöner, anheimelnder Atmosphäre mit aufrechter Gebärhaltung, etc. Statt dessen war ich im hell erleuchteten Raum aufs Kreuz gelegt, mit PDA, "Dauer-CTG" und Braunüle verkabelt, und medizinisch überwacht und versorgt. Doch: dies hat uns den Kaiserschnitt erspart und eine problemlose und sichere "Beckenendlagengeburt" ermöglicht. Da rücken die Rahmenbedingungen dann wirklich in den Hintergrund, zumal wir auch persönlich durch Anne sehr gut begleitet waren. Schön war so vieles während der gesamten Schwangerschaft und Geburt. Und schön war es angesichts meiner "Risikosituation" so viel von der hohen Kunst der Hebammen- und Geburtshilfe zu erleben. Gerne will ich allen, die es hören wollen, empfehlen, nicht so schnell die Kaiserschnittlösung anzustreben, wenn es Probleme gibt. Paula ist jetzt 4 Wochen alt und schläft gerade im Tuch an meinem Bauch. Ich glaube ja fest daran, dass sie meine Meinung teilt. Münster, im Mai 2003 Dorothea

Quentin Paul
5 Februar, 2003

Geburtsbericht von Quentin Paul Die ersten 15 Wochen der Schwangerschaft haben wir in China verbracht, wo wir zu diesem Zeitpunkt gelebt und gearbeitet und haben - dies hat unseren Aufenthalt dort nochmal besonders spannend gemacht: Schwangerschaftsvorsorge in China... Zurück in Münster haben wir uns ziemlich schnell für das Geburtshaus entschieden, weil wir die Atmosphäre dort sehr schön fanden und uns auf die Geburt dort schon lange vorher richtig freuten... Etwas spät wollte ich noch mit der Akkupunktur im Geburtshaus beginnen und habe so auch Gabi kennenlernen können. Genau eine Woche vorm Termin stellte ich morgens im Büro fest, dass sich wohl der Schleimpfropf (Geburtskorken!) gelöst hat. Ich sagte Gordon Bescheid und er fragte ganz nervös, ob es denn jetzt losgehen würde. Das konnte uns vielleicht Brigitte beantworten, bei der ich an diesem Tag sowieso einen Vorsorgetermin hatte. Es sah wohl aber noch nicht danach aus. Im Gegenteil: Quentin saß noch nicht so richtig optimal, auch der Muttermund war noch nicht besonders weit auf. Es würde wohl eher ein paar Tage bis nach dem Termin am 7.11. dauern und wir sollten uns auch eher auf eine etwas längere Geburt einstellen... Na gut! dachten wir beide. Wir konnten es gar nicht mehr richtig abwarten und unterhielten uns auch abends beim Essen darüber, dass wir ihn jetzt gerne einmal richtig anfassen wollen würden - statt der wandernden Beulen der Bauchdecke. Das hatte er wohl gehört, denn eine halbe Stunde später hatte ich plötzlich um ca. 22 Uhr einen Blasensprung! Welch ein Gefühl: Doch schon jetzt! Ganz unerwartet! Es war jedoch ganz und gar nicht so wie in meinen kühnsten Vorstellungen (abends zur Haupteinkaufszeit an der überfüllten Supermarktschlange plötzlich in einer Riesenpfütze stehend), sondern nur sehr wenig - eher ein Riss denn ein Sprung. Wir haben uns dann für 23 Uhr mit Brigitte im Geburtshaus verabredet. Von Wehen noch keine Spur. Sie hat mir homöophatische Kügelchen mitgegeben, die ich am nächsten Morgen nehmen sollte, um die Wehen anzukurbeln. Um 10 Uhr wollten wir dann miteinander telefonieren. Und wir sollten uns nochmal ordentlich ausschlafen! Aber schon beim Hinausgehen zum Auto begann ein regelmäßiger Schmerz. Zu Hause angekommen waren die Wehen schon so stark, dass ich sie richtig veratmen musste. Als sie dann schon alle drei Minuten kamen haben wir Brigitte wieder angerufen und uns erneut im Geburtshaus verabredet. Dort angekommen bin ich erstmal in die schöne, große Badewanne gegangen, was die Kraft der Wehen auch etwas gemindert hat. Gordon war die ganze Zeit an meiner Seite und wechselte einen kalten Waschlappen gegen den nächsten aus. Ansonsten konnte er zu dem Zeitpunkt nicht viel für mich tun, weil ich plötzlich auf jede Art von Berührung empfindlich (und etwas unwirsch...) reagiert habe. Irgendwann schlug Brigitte vor, jetzt mal die Badewanne zu verlassen. Sie untersuchte mich nochmals, aber der Muttermund bewegte sich trotz heftiger Wehen nur sehr langsam. Zwischendurch horchte sie auch immer wieder Quentins Herztöne ab. Die nächste Zeit habe ich auf dem Bett verbracht und verschiedene Positionen ausprobiert - Brigitte hat immer wieder Tipps gegeben, was man jetzt mal versuchen könnte - und bin dann auch endlich beim Wehen-Singen angelangt. Es hat unwahrscheinlich gut geholfen, ich konnte mich und den Schmerz richtig "wegsingen". Auch Gordon hat richtig klasse mitgesungen und mir geholfen. Im Vorbereitungskurs fanden wir "Wehen-Singen" noch ziemlich abstrus und hatten auch schon mal überlegt, ob wir den Tag, an dem Brigitte mit uns singen möchte nicht gemeinschaftlich "schwänzen" und Pizza essen gehen sollten... Das haben wir dann glücklicherweise aber nicht gemacht! Nach einer ganzen Weile konnte ich nicht mehr auf dem Bett liegen und hatte ein Gefühl, als müsste ich ganz dringend auf die Toilette. Ich bin dann zusammen mit Gordon hingegangen; Gordon kniete vor mir und ich habe mich an seinen Schultern festgehalten. Das Gefühl unglaublich pressen zu müssen wurde immer stärker! Nach den Schmerzen der Eröffnungswehen waren diese Presswehen ein richtig gutes Gefühl, denn jetzt fühlte ich mich dem Schmerz nicht mehr so ausgeliefert und konnte mitmachen. Brigitte untersuchte mich zwischendurch immer mal wieder und der Muttermund hatte sich jetzt ziemlich schnell sehr weit geöffnet. Zum Singen war mir jetzt nicht mehr zumute, aber ich fand es sehr beruhigend Gordon weiterhin singen zu hören! Er war eine sehr, sehr große Hilfe für mich! Irgendwann meinte Brigitte, ich solle doch jetzt mal den Gebärhocker ausprobieren, weil ich nicht mehr allzulange auf der Toilette sitzen bleiben könnte. Es fiel mir dann sehr schwer mich von dieser zu trennen, weil ich mich darauf im wahrsten Sinne des Wortes so gut eingerichtet hatte... Dann sind wir zum Gebärhocker hinübergewechselt und Gordon setzte sich hinter mich aufs Bett, um mich weiter halten zu können. Es war für uns beide ein sehr, sehr schönes und gutes Gefühl so eng beieinander sein zu können; im Gegensatz zum Beginn der Wehen konnte ich jetzt Kraft aus seiner Umarmung gewinnen. Jetzt war das Ende schon sehr absehbar. In einem Spiegel konnte ich schon das Köpfchen sehen: mit ganz vielen Haaren! Der Schmerz war schon sehr extrem - ich hatte das Gefühl gerade halb Wolbeck aufgeweckt zu haben. Aber das Schreien tat so gut und hat den Schmerz immer wieder aufs Neue verblassen lassen. Und was für ein überwältigendes Gefühl, als der Kopf plötzlich schon draussen war. Dann war Quentin ganz da! Freitagmorgen um 5.52 Uhr. Gordon liefen die Tränen über die Wange; er war so glücklich, das alles so gut gegangen ist und wir beide keine Verletzungen davongetragen hatten. Ich war so überwältigt und perplex, dass ich in dem Moment irgendwie nicht einmal weinen konnte und wohl immer nur wieder "Ach Mensch!!!" sagte, was in diesem Fall ja auch schließlich die Essenz ist! Er war so klein und zierlich! Und mit 2940 g und 49 cm auch eher ein Leichtgewicht - was es uns beiden sehr einfach gemacht hat. Etwas anstrengend war dann noch die Nachgeburt, die sich nicht lösen wollte und dann doch noch ein Wehenmitel erforderlich machte. Auch dies hat im Liegen erstmal nicht richtig geholfen. Doch dann habe ich der Nachgeburt mit Brigittes und Gabis lieber Hilfe (die nachdem Quentin schon da war noch hinzukam) und dem Gebärhocker in senkrechter Haltung auf die Welt verhelfen können. In dieser Zeit konnte Gordon schon gleich die Zähigkeit von Kindspech auf seinem Bauch bewundern. Nach vielleicht zweieinhalb Stunden sind wir dann in einen frischen, schönen Morgen mit Quentin aufgebrochen und zurück nach Münster gefahren und haben es uns dort auf ganz vielen Matrazen gemeinsam gemütlich gemacht, uns gegenseitig beschnuppert und befühlt und sind in einen erholsamen Schlaf gefallen. Während der heftigsten Wehen hatte ich mir so manches Mal ein gut und schnell wirkendes Schmerzmittel gewünscht! Aber ich bin sehr glücklich, dass ich diese Geburt im Geburtshaus erleben durfte; ohne Geräte und auch ohne Schmerzmittel, denn es war ein überwältigendes Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Es war klasse von Brigitte, dass sie sich überwiegend im Hintergrund gehalten und nur Anregungen gegeben hat (von den regelmäßigen Untersuchungen abgesehen) und uns auf diese Art und Weise während unserer Geburt, die wir ganz so gestalten konnten, wie wir es uns vorstellten, beistand. Wir hoffen, dass wir uns dort in vielleicht zwei Jahren erneut einfinden können! Wir möchten uns nochmals ganz herzlich beim Geburtshausteam für dieses Erlebnis bedanken, insbesondere bei Brigitte und Beate, die uns jederzeit ein gutes Gefühl gegeben haben und auch im Wochenbett für uns da waren. Der Vorbereitungskurs bei Brigitte war klasse (und hat uns dem Wehensingen näher gebracht) und der Rückbildungskurs bei Beate lässt nicht nur die Muskeln wieder hüpfen sondern auch das Zwerchfell!

 

 

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